Goethe-Schüler im Dialog mit der Wirtschaft

2008_Nov_14_Dr.Rehm_kleinBesuch des Vorstandsvorsitzenden der Nord/LB (Prof. Dr. Hannes Rehm) am 14.11.2008. Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Unternehmer als Lehrer“, die von den Wirtschaftssenioren Rhein-Main und der örtlichen Industrie- und Handelskammer getragen wird, haben die beiden Leistungskurse im Fach Politik und Wirtschaft der Jahrgangsstufe 11 mit Herrn Euler und der Jahrgangsstufe 12 mit Herrn Jasny am vergangenen Freitag die Gelegenheit gehabt, ihre persönlichen Fragen an den Vorstandsvorsitzenden der Norddeutschen Landesbank, Herrn Prof. Dr. Hannes Rehm, zu richten.

 

Zu Beginn erläuterte Herr Prof. Rehm einige Fakten zur Norddeutschen Landesbank, die als eine Anstalt des öffentlichen Rechtes betrieben wird und die Bundesländer Sachsen-Anhalt und Niedersachsen in der Wirtschaftsförderung unterstützt und in erster Linie für die Erledigung der bankmäßigen Geschäfte der beiden Länder verantwortlich ist. Dabei stellte Prof. Rehm aufgrund der aktuell dramatischen Entwicklungen im Banken- und Finanzsektor klar, dass die Norddeutsche Landesbank nicht wesentlich von der Finanzkrise betroffen sei, da sie nicht in die in sich zusammengebrochenen Subprime-Kredite in den Vereinigten Staaten investiert habe und auch ansonsten sich aus den Spekulationen in diesem Bereich herausgehalten habe. Die Norddeutsche Landesbank setze dabei auf diejenigen Bereiche, in denen sie sich gut auskennt, und verfolge die Strategie eines konzentrierten Geschäftssystems. Dabei sei sie insbesondere in der Finanzierung des Schiffs- und Flugzeugbaus aktiv, die einen wichtigen Teil der Bilanzsumme ausmachten und investiere ebenso in den Sektor der erneuerbaren Energien und in Infrastruktur-Projekte. Des weiteren führte Prof. Rehm die weiteren Beteiligungen der NordLB auf.











  Nach der Vorstellung des eigenen Unternehmens sprach Prof. Rehm die aktuelle Finanzkrise an und brachte den Schüler/-innen seine persönliche Sicht der Ursachen nahe. Seiner Meinung nach lasse sich nicht nur allein aus dem überzogenen Profitwillen der Banker der Grund für diese Finanzkrise ableiten, sondern auch andere Gründe haben für die jetzigen Probleme gesorgt. Dazu zählten für Prof. Rehm, obwohl selbst als Vorstandsvorsitzender tätig, die überzogenen Grundgehälter und Boni der Vorstände in den nun teils insolventen Banken, die für einige Banken sehr vorteilhaft ausgestalteten und aus seiner Sicht überzogenen Ratings der Rating-Agenturen und die Ausgestaltung des amerikanischen Bankensektors. So haben in den USA die Investmentbanken beispielsweise nur im spekulativen Bereich agiert und besaßen faktisch keine Einlagen. Deswegen sprach Prof. Rehm nun davon, dass die Banken ihr Verhalten der Vergangenheit und ihre Renditeerwartungen kritisch überprüfen müssten, um eine zu große Regulierung durch den Staat zu vermeiden. Nach diesem Vortrag wandte sich Prof. Rehm den Fragen der Schüler/-innen zu und diskutierte heiter mit ihnen über die verschiedensten Fragen, die gestellt wurden. Zu seinem persönlichen Werdegang stellte er insbesondere ein Zitat des Namensgebers unserer Schule in den Mittelpunkt, das lautete: „Wer schaffen will, muss fröhlich sein!“ Dies sei ein Grundsatz gewesen, der ihn bis heute angetrieben habe, auch wenn er relativ froh war, nach 13 Jahren endlich sein Abitur erhalten zu haben. Ohne Fleiß und Motivation hätte er seine heutige Position niemals erreicht. Für ihn war seine berufliche Zukunft mit Beginn des Studiums nicht wirklich klar gewesen, und die heutige Position als Vorstandsvorsitzender entwickelte sich erst mit der Zeit heraus. Sein Kindheitstraum, Kämmerer in Würzburg zu werden, begründete sich aus seiner Liebe zur Gegend in und um Würzburg herum.   

Nach dem Studium und der anschließenden Promotion begann er seine Karriere bei der WestLB, ohne zu wissen, was diese überhaupt wirklich damals machte. Danach stieg er bei der NordLB ein und arbeitete sich dort hoch, indem er Geschäftsführer des Sparkassenverbands war, den Sparkassenaufbau in den damals beigetretenen Bundesländern Ostdeutschlands vorantrieb und über die Position des Vorstandsmitglieds Vorstandsvorsitzender wurde. Nachdem Prof. Rehm noch ein wenig über die Auslandssitze der NordLB in New York oder Shanghai referierte, kam unweigerlich der Vergleich zwischen den Verhältnissen der arbeitenden Bevölkerung in Deutschland und den USA auf. Dabei führte er als Beispiel an, dass in der NordLB-Zentrale in Hannover subventioniertes Kantinenessen angeboten wird, den Mitarbeitern großzügige Parkmöglichkeiten angeboten werden und ihm vom Auslandssitz in NYC bekannt sei, dass die dortigen Mitarbeiter sich hastig die Burger in den Mund stopfen und sich in überfüllte U-Bahnen quetschen müssten. Aus diesem Grunde sollen wir uns als künftige Generation darum bemühen, den Standard unserer Gesellschaft in Deutschland zu erhalten. Des weiteren kritisierte Prof. Rehm damit ebenso das Nörgeln auf hohem Niveau, das hier in Deutschland herrsche. Alles in allem war es eine der wenigen Möglichkeiten im Leben eines durchschnittlichen Schülers, eine Person dieses Kalibers hautnah zu erleben, die ansonsten nur aus Funk & Fernsehen bekannt ist und in ihrer Persönlichkeit so weit entfernt zu sein scheint. Doch bei den persönlichen Schilderungen aus Kindheit und Jugend von Herrn Prof. Rehm ist durchgedrungen, dass es sich bei so einer Führungspersonen wie ihm um einen Menschen handelt, der trotz seiner erfolgreichen Karriere irgendwo immer noch auf dem Boden geblieben ist! Sohib Majid (Jahrgangsstufe 11), 20.11.08 Zum Abschluss stattete Dr.Rehm dem Hauptgebäude des Goethe-Gymnasiums einen kurzen Besuch ab. Mit der stellvertretenden Schulleiterín, Frau Aydt, sprach er über Lehrer, die beide gemeinsam kannten.