14. September 2009, 20:25
Liebe Frau Diener, zu Ihren Artikeln herzlichen Glückwunsch! Ganz abgesehen davon, daß Sie schreiben können, eignet Ihren Beiträgen so etwas - ich tue mich jetzt schwer, dies zu substantiieren - also kurz und gut: So etwas angenehm Frankfurterisches. Und wo ich gerade dabei bin, noch eine indiskrete Frage. Welche selbsternannte Frankfurter Eliteschule denn? Goethe ? Lessing ? Gesamtschule Bockenheim-Süd?
14. September 2009, 23:14
Till, bezüglich der indiskreten Frage: Gleich die erste war ein Treffer. Hab ich aber nur fünf Jahre durchgehalten und bin dann zur Oberstufe abgegangen. (Worin sich Frankfurterisches in Texten ausdrückt, würde ich ja gern mal konkretisiert haben.)
14. September 2009, 23:57
Jaja, das Goethe-Gymnasium. Ich wiederum absolvierte da nur die Oberstufe, um dann 1979, mit den üblichen Weihen versehen, abzugehen. War eigentlich ganz angenehm und entspannt dort. Der radical chic dieser Jahre verbot allerdings solche Dinge wie Rucksäcke. Angesagt waren Plastiktüten, bei der Ökofraktion vielleicht aus Jute gefertigt. So richtig schön aber wurde es erst, wenn man die vom Lehrkörper hektographierten Blätter nonchalant in den großen Taschen von Vaters abgelegtem Trenchcoat kompostierte.
Mit dem Frankfurterischen ?: Wie gesagt, ich tue mich da schwer mit der Begründung. Nun denn: Es weht ein freier Geist in Ihren Texten. Sie sind schnoddrig direkt, ohne jemals verletzend zu sein. Ich finde keinen Dünkel, kein art pour l'art, dafür eine angenehm neugierige Distanz zur eigenen Person, wie sie das Großwerden in einer in jeder Hinsicht bunten Stadt mit gebrochener Vergangenheit mit sich bringen kann.
Vielleicht verkläre ich dies aber auch nur angesichts meiner jetztigen Lebensumstände in einem Tal mit ständigem Bergblick, kurz vor der Grenze. Die mich umgebenden objektstarken Autochthonen pochen ulkig auf ihre Tradition und freuen sich ihres Horizontes bis zum Apennin oder kurz dahinter. Die von mir als Frankfurterisch gelobten und Ihnen unterstellten Eigenschaften bilden hierzu einen angenehmen Kontrast.
15. September 2009, 09:22
Till, so entspannt ging es zu unseren Zeiten (Ende Barton-Ära) nicht zu. Es gab auch halbwegs normale Lehrer, aber auffällig viele seltsame Fossilien. Dazu eine unangenehme Ballung von Mitschülern aus wohlhabendem bis wichtigem Hause, die sich für die Krone der Schöpfung hielten und sich mit Dingen behängten, auf denen groß die Markennamen standen.
.Das mit dem Bergdorf kann ich mir vorstellen. Ich wundere mich ja schon immer über die Sitten und Gebräuche in bayerischen Provinz(groß)städten: Was äußerlich so zivilisiert und normal aussieht, hat innerlich Monarchie und Ständegesellschaft nie wirklich überwunden. Frankfurt ist sicher nicht schön, aber von der Einstellung der Bewohner her einer der angenehmsten Orte, finde ich.
15. September 2009, 13:11
Den merkwürdigen Herrn Barton habe ich schon weitgehend vergessen. Meiner Erfahrung nach war er all bark, no bite. Mehrfach stellte er mir die Relegation in Aussicht, um dann doch immer wieder einzulenken. In den späten 70ern ging man dort ohnehin eher zivilisiert miteinander um, es herrschte eine Jeans/Clogs/Palästinensertuchmode vor und Elterngeld vorzuführen, galt als verpönt. Daß davon trotzdem genügend vorhanden war, dürfen wir voraussetzen. Auch dies erschien mir schon damals als angenehm Frankfurterisch: Bei Familienausflügen in die Hamburger Elbvororte und nach Nymphenburg fand ich ganz andere Stimmungen und Verhaltensweisen vor, man mischte sich dort deutlich weniger.
15. September 2009, 13:45
Und noch etwas zu Frankfurt: Offensichtlich sind seine Bewohner im Schnitt und aus den vorgenannten Gründen angenehme Zeitgenossen. Obendrein finde ich es aber auch noch schön. Gerne baue ich daher auf meinen Nordlandfahrten einen Schlenker übers Frankfurter Kreuz ein, um zu meiner Rechten dann die geliebte Silhouette vorbeiziehen zu sehen. Andere deutsche Städte verstecken sich ja eher vor des Reisenden Blick oder zeigen bizarre Arrangements, wie z.B. das Münchner Ensemble aus Aufblasstadium und Windrad auf Müllberg.
Ich grüße Sie aus der Diaspora!
15. September 2009, 15:05
Till, der Autoreifen kurz vor München ist wirklich ein schlimmer Anblick. Dann doch lieber Banktürme.